Texte zur Hypnosetherapie

       



                                                                                 Dr.med. J. Philip Zindel

                                                                            Eine Baustelle für's Leben ...

Beiträge zu Theorie und Praxis der Hypnosetherapie 

für medizinische und therapeutische Fachpersonen


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Dieser Text handelt vom Vergleich von körperlicher und seelischer Verdauung. Es gibt da erstaunliche Dinge! Der konkrete Bezug zur Hypnose wird aber erst im nächsten Text folgen, damit dieser nicht zu lange – sprich unverdaulich – wird. 


     Prinzipien 3: Die Verdauungsmetapher                                                                          Text Nr. 24

Die Verdauungsmetapher… und ihre Implikationen für die Hypnose

1. Verarbeiten, Rucksack tragen oder verdauen?

Wenn es um den Umgang mit schweren Lebenserfahrungen geht, kommt meist der Ausdruck «Verarbeiten» zur Anwendung, dies mit einer Lockerheit, als müsste jedermann wissen, was darunter zu verstehen ist: Ein Mensch, der nach längst vergangenen, belastenden Erfahrungen noch immer mit seiner Seele in deren Fängen hängt, «hat sie eben noch nicht verarbeitet».

Diese Formulierung lässt leider gänzlich im Dunkeln, worin dieser Prozess bestehen soll und auf welchen Mechanismen er beruht. Das Wort «Verarbeiten» deutet nur an, dass es sich um Arbeit handelt – also um etwas Anstrengendes, das nicht von alleine geschieht. Das Präfix «Ver-» präzisiert, dass dieser Vorgang zu einem Abschluss zu führen ist.

Dabei bleibt immer noch offen, inwiefern dieser Vorgang genannt «Verarbeiten» ein natürliches Geschehen ist – das offenbar manchmal verpasst stattzufinden - oder ob es einer bewussten Anstrengung der betroffenen Person bedarf, und Manche vielleicht zu wenig Fleiss und Einsatz an den Tag legen, zumal der Ausdruck ja mehr Mühsal und Pein als Spass verspricht. Und wie häufig wird das «Verarbeiten» selbstquälerisch praktiziert, indem man sich immer wieder, von Neuem durch den Schmerz durchkämpft, und nochmals, und nochmals… nicht selten mit dem gegenteiligen Resultat einer völligen Fixierung auf die Verletzung.

Auch Ausdrücke wie «verwinden», «überwinden», «sich befreien», «ablegen», «abstreifen» bieten nicht viel mehr Hilfe an. Diese sind näher bei einer anderen Metapher, in der ungelöste Probleme aus der Vergangenheit mit einem schweren Rucksack verglichen werden, der getragen bzw. endlich abgelegt werden müsste. Dieser wird meist als mit schweren Steinen gefüllt gesehen. Aber auch diese Metapher deutet keinen brauchbaren Lösungsweg an, suggeriert nicht einmal Freude am Wandern… Im Grunde steckt in diesem Bild vielmehr eine negative Suggestion: Stellen Sie sich vor, unser armer Mensch darf eines Tages seinen Rucksack wirklich ablegen, öffnet ihn und muss feststellen, dass er jahrelang nur nutzlose Steine herumgebuckelt hat: Welch eine erbauliche Erkenntnis!

Ganz anders steht der Ausdruck «Verdauen» da. Mit diesem Wort treffen wir ein Bild, das unmittelbar allen Menschen bekannt ist, und uns mitten ins Reich der natürlichen, von selbst geschehenden, stärkenden und erleichternden Vorgängen führt. (An welchem Örtchen mich übrigens diese Erkenntnis gefunden hat, bleibt mein Geheimnis…). Zudem kennt der Volksmund dieses Bild ja auch bestens im Zusammenhang mit seelischen Prozessen: «Das muss ich erst noch verdauen!».

Bei genauerer Betrachtung passt die Metapher der Verdauung erstaunlich genau, um die (hypothetischen) psychischen Vorgänge zu erklären, die mit der «Verarbeitung» seelischer Probleme zu tun haben – ja sie führt sogar zu konkret anwendbaren, sinnvollen Anregungen für die Therapie. Und wo Verdauung im Spiel ist, kann Hypnose nicht weit entfernt sein. Als Beispiel seien nur die immer besser in ihrer Wirksamkeit belegten «Bauchhypnosen» bei Reizdarm erwähnt. Schliesslich hat Hypnose etwas mit Loslassen, mit Entstressung und mit trophotroper Umschaltung zu tun.                      

2. Die Parallelen zwischen körperlicher und seelischer Verdauung

Nehmen wir den Ablauf einer guten Bauchverdauung in ihren einzelnen Schritten unter die Lupe, und übertragen wir dann unsere Beobachtungen mit Neugier auf die seelische Verdauung, so fallen recht erstaunliche Parallelen auf.

           Die Schritte der körperlichen Verdauung

1. Die Verdauung beginnt eigentlich schon beim gedanklichen Aussuchen der Nahrung, auf die wir Lust haben. Bei der Auswahl lassen wir uns durch Eindrücke unserer Augen, unserer Nase und unseres Tastsinns, sowie durch sinnliche Erinnerungen an erlebte Gaumenfreuden (oder an deren üblen Folgen…) leiten. Auch Vernunft oder Ideologien können mit ins Spiel kommen. Im Rahmen des Angebots und des Möglichen werden dann die entsprechenden Nahrungsmittel beschafft.

2. Der zweite Schritt besteht in der Zubereitung der Nahrung: Schälen, Schneiden, Kochen, Backen etc. Wir machen dadurch die Nahrung bereit zum Verzehr (ohne dabei die Optik für den Genuss des Auges zu vernachlässigen). Dem Koch wird es in der Regel nicht bewusst, aber es handelt es sich hierbei um den Beginn eines der grundlegenden Prozesse der Verdauung: Das Zerkleinern, bzw. Zerlegen in Bestandteile. Jetzt vorerst im Groben.

3. Alles wartet nun auf dem Teller darauf – meist nach einem weiteren Zerkleinerungsschritt mit Messer und Gabel – in den Mund eingeführt zu werden: Dies ist jetzt der gastronomische Höhepunkt! Die Speicheldrüsen freuen sich schon lange auf diesen Augenblick.

4. Bei gefülltem Mund geht das Zerkleinern gleich weiter: Die Speise wird gekaut, zermalmt, eingespeichelt, auf die richtige Temperatur gebracht, und als bekömmlichen Brei im Hinblick auf den nächsten, grossen Schritt zubereitet.

5. Derweil prüfen die Papillen laufend, ob die Speise den gustatorischen Erwartungen entspricht. Der Zufriedenheits- bzw. der Genussfaktor entscheiden letztlich über ein Schluck-Placet oder über eine Kursumkehr. Die Zunge wirkt in dieser Zeit nicht nur als sanftes Rührwerk, sie überprüft auch die Nahrung auf Konsistenz und Temperatur.

6. Jetzt kommt es endlich zu einem zweiten Höhepunkt: zum Schlucken! Die Bedeutung dieses Schlüsselereignisses darf nicht unterschätzt werden: Er kann nicht mehr rückgängig gemacht werden – es sei denn im Notfall, oder bei besonderen psychiatrischen Diagnosen. Zweitens, und noch wichtiger, wird die bewusste Kontrolle, die wir über die Speise hatten, nach diesem Schritt für alle weiteren Arbeitsgänge definitiv abgegeben. Das Schlucken ist gewissermassen die magische Schwelle, wo die Kontrolle an die Unbewusstheit, an autonome Vorgänge vollständig übergeben wird.

7. Ab jetzt übernimmt die Natur also das weitere Geschehen, alleine, fernab von jedem bewussten Einfluss des Verdauenden. Und was tut sie? Letztlich einfach weiter zerkleinern, jetzt aber nicht mehr mechanisch, sondern ausschliesslich chemisch, zuerst im Magen durch den sauren Magensaft, dann im Dünndarm durch die spaltfreudigen Pankreas- und Lebersäfte. Die Nahrung wird dabei in ihre Elemente, in die Moleküle, so zerlegt, dass diese für die nächsten Vorgänge tauglich werden.

8. Denn jetzt kommt die Darmwand ins Spiel. Sie filtert. Was für den Körper nützlich ist – sei es, dass es ihm Energie liefert oder dass es seinem Aufbau und Unterhalt dient – erhält den Passierschein in den Körper und wird durch das Blut an den entsprechenden Ort befördert. Was hingegen dem Körper schaden könnte oder einfach nur unnütz ist, wird nicht zugelassen und geht den Weg der Gedärme weiter.

Hier habe ich als Verdauender nichts mehr mitzureden – leider für diejenigen, die gerne mitbestimmen möchten, ob ein bisschen weniger Fettsäuren, dafür ein bisschen mehr Aminosäuren… Immerhin können wir bei Verdauungsschwierigkeiten versuchen, bewusst ein bisschen Einfluss zu nehmen – aber nur ganz beschränkt, über den Einsatz indirekter Hilfen wie Bauchmassage, Bettflasche, Pfefferminztee oder Melissengeist.

9. Am Ausgang des Darmes wird der Müll zur Entlastung freigegeben und defäkiert. Er wird der Natur zurückerstattet, um dort anderen Zwecken dienen zu können. Damit ist der dritte und letzte Höhepunkt erreicht.

Bis hierher dürfte Ihnen wohl alles recht bekannt und trivial vorgekommen sein. Versteckter und deshalb erstaunlicher treten hingegen die Entsprechungen zwischen den Phasen des körperlichen Verdauens und denen der seelischen Verdauung in Erscheinung.

      Die Phasen der seelischen «Verdauung»: nicht wirklich anders ...

Die seelische Nahrung ist natürlich nicht stofflicher Natur, sondern besteht aus dem, was wir erleben. Der Mensch braucht Erlebnisse und Geschichten, um sich seelisch am Leben zu erhalten. Einen Teil davon kann er aus seiner Seele selbst, aus der Phantasie heraus produzieren, aber es geht nicht ohne konkrete Erfahrungen und Interaktionen mit der Aussenwelt. Eine der schlimmsten Strafen ist deshalb die Einzelhaft, das völlige Abschotten von jedem äusseren Erlebnis. Erlebnisse haben also für die Psyche dieselbe Bedeutung wie die körperliche Nahrung: Sie liefern je nach dem Kraft (die schönen und entzückenden) oder sie dienen dem Aufbau und dem Unterhalt (die lehrreichen). 

Seelische Nahrung ist ihrem Wesen nach Information, und seelische Verdauung folglich Umgang mit Information.

1. Der physischen Verdauung genau entsprechend beginnt auch die seelische, mit dem gedanklichen Aussuchen der Nahrung, also von Erfahrungen, in denen wir uns Kraft und Substanz erhoffen. So schweben unsere Träume über dem Ferienprospekt, und suchen uns Destinationen aufgrund der angepriesenen Genussmöglichkeiten oder Abenteuer aus. Wir lesen uns auch potentielle Freunde und Partner aus, ¬aufgrund verheissungsvoller Erlebnismöglichkeiten mit ihnen und im Rahmen des Angebots.

2. Der kulinarischen Zubereitung der Nahrung entspricht jetzt die Planung. Das erwünschte Erlebnis wird vorbereitet: Man informiert sich, vergleicht, organisiert, plant Dates, damit dann alles möglichst reibungslos vonstatten gehen kann.

Wie beim Rüsten und Kochen der Speisen findet dazu ein Prozess des Zerlegens in Bestandteile bzw. Aspekte statt. Eine gute Vorbereitung geht schrittweise vor, zuerst in groben Zügen, dann in den feineren Details: Landkarten studieren, Tickets einkaufen, Lokal reservieren, sich hübsche Kleider suchen, usw.

3. Endlich wird der Plan ausgeführt. Das Gepäck steht bereit, und die Reise oder der Abend kann beginnen. Statt zu Munde wird jetzt zu Gemüte geführt. Aus der Phantasie wird Realität. Der Zauber des Handelns und Erlebens kann nun mit allen Eindrücken wirken. Dies ist der erste, ergreifende Höhepunkt.

4. Wie die Speise im Munde zerkaut wird, so wird das Gesamterlebnis auch in verschiedenste Teil-Eindrücke «zerkleinert». Wir nehmen mit jeder Sinnesmodalität unterschiedliche Aspekte wahr, seien es optische Eindrücke, Geräusche, Gerüche, oder Empfindungen und Emotionen. Wir versuchen auch zu verstehen und zwischen den Zeilen zu lesen. Und wo während des Erlebnisses vielleicht Schwierigkeiten auftreten, haben wir daran zu kauen… bis es wieder funktioniert.

5. Jeder Augenblick wird gekostet, ergründet, beachtet, geprüft, ob alles passt. Unsere geistigen Papillen wollen möglichst erfassen können, was wir tun und was mit uns geschieht, auch damit wir uns nötigenfalls aus dem Geschehen zurückziehen können.

6. Die Entsprechung zum Schluckvorgang ist der Übergang aus dem Machtbereich des Bewussten in die Undurchsichtigkeit der Natur und ihrer unbewussten Vorgänge. Sie findet bei gleichbleibender Funktion mit einigen Unterschieden statt: Kein spektakulärer, bewusster Schluckakt mit einem Vorher und einem Nachher, denn das Unbewusste ist von Anfang an mitinvolviert und aktiv. Es erlebt alles mit, was wir im Bewussten erleben. Zweiter Unterschied: Was im «Magen» des Unbewussten angekommen ist, bleibt unwiderruflich dort. Ein Erlebnis kann noch so «zum Kotzen» sein, der Befreiungsschlag kann nicht durch einfaches «Zurück an den Absender» stattfinden wie mit der körperlichen Nahrung. Eine neurophysiologische Erklärung dafür ist, dass ein Engramm nie gelöscht werden kann. Es lässt sich höchstens durch neue, heilende Erfahrungen überschreiben.

7. Die weiteren Arbeitsgänge bestehen auch bei der seelischen Verdauung in einem Zerkleinern, bzw. Zerlegen in Bestandteile. Die Elemente heissen hier nicht Moleküle, sondern Aspekte. Ein Erlebnis beinhaltet ja verschiedenste Aspekte: Einerseits die unterschiedlichen Sinneseindrücke über die verschiedenen Kanäle (das Gehörte, das Gesehene, das körperlich Wahrgenommene usw.), die übrigens als Spuren an separaten Orten im Hirn gespeichert werden. Daneben auch die unterschiedlichen Aspekte der Art des Erlebens, also die mit dem Erlebnis verbundenen Emotionen, Kognitionen und Assoziationen. Alle diese Aspekte werden in einem dem Bewussten nicht zugänglichen Arbeitsgang weiter prozessiert. Manche davon sind wertvoll und sollen entsprechend integriert werden, und andere würden für das weitere Leben nur Hemmnis bedeuten.

8. Jetzt kommt eine zentrale, unbewusste Funktion ins Spiel, die wir am sinnvollsten – selbstverständlich metaphorisch – als «seelische Darmwand» bezeichnen. Welchem neuroanatomischen oder physiologischen Korrelat diese Filterfunktion entspricht, bleibt wohl schwierig zu definieren, sie gehört aber dem weiten Bereich der Resilienz an. Ihre Aufgabe ist genau dieselbe wie beim Darm: Was Kraft gibt (wie die unwirkliche Poesie eines Sonnenuntergangs oder die kostbare Wärme einer Freundschaftsgeste) passiert den Filter und nährt uns im Jetzt, wie auch später in den Erinnerungen. Ebenso werden die aufbauenden Aspekte von schwierigen Erfahrungen zugelassen: diejenigen, die unsere Persönlichkeit schmieden, stärken, uns härter oder einfühlender machen, sprich diejenigen, die uns weiser machen. Unbedingt müssen diese behalten und integriert werden. Die verhängnisvollen Spuren hingegen, die uns an die dunkle Seite, das Unglück dieser Erfahrungen fesseln, oder an die wir uns klammern, aus Angst sie zu verlieren, und die uns eigentlich nur Lebensenergie rauben, müssen den Weg zu einem guten Ausgang finden.


«Lascia la spina, cogli la rosa»


(«Lasse die Dornen, pflücke die Rose»)

Arie von Georg Friedrich Händel, 1685-1759: Die Essenz der Verdauung, musikalisch und poetisch verzaubert …

gesungen von Julia Lezhneva (Link anklicken)

Wie lebensnotwendig diese Filterfunktion ist, können wir am besten daran ermessen, wenn wir sie dort beobachten, wo sie Defekte aufweist. Filterfunktionsstörungen sind beispielsweise ADHS, Asperger, auch Schizophrenie, Manie, Depression usw., wo letztlich in der Tiefe ein Teil dieser Triagewirkung der psychischen Darmwand fehlt.

Auch die seelische Verdauung kann zu Blähungen und Krämpfen führen, wenn sie nicht rund läuft. Die Hilfestellung des Bewussten in dieser Phase kann, wie bei der körperlichen Verdauung, nur aus «externer» Unterstützung bestehen. Dann wirken – entsprechend der Massage, der Bettflasche oder dem Pfefferminztee – eine beruhigende Stimme, Schutz und heilsame Phantasien, oder das passende Märchen, von Grossmutter erzählt.

9. Und jetzt fragen Sie sich: «Was soll denn ein ‘seelischer Stuhlgang’ sein?» Setzt man sich hin und entblösst sich? In einer gewissen Art schon: Denn am besten zieht man sich etwas vom Alltag und seinen Krämereien zurück, hält in sich Einkehr und versetzt sich in eine Stimmung innerer Vorurteilslosigkeit. Und dabei kann man sich schon das eine oder andere Mal nackt vorkommen…

Ein bewusstes, aktives «Mitpressen» ist insofern möglich, indem man sich die behindernden Gedanken wie etwa «Das schaff ich nie! Ich bin halt so!» entschieden vom Leibe hält und durch entlastungsfördernde Statements ersetzt in der Art von «Ich bin O.K., wie auch immer ich bin!».

Aber im Wesentlichen verläuft diese Verrichtung meist still und unbemerkt, ohne Pressen. Alle Menschen kennen nämlich den ganz alltäglichen «seelischen Stuhlgang», wenn auch nicht unter dieser Bezeichnung: Wenn wir abends mit einem nagenden Ärger – vielleicht wieder einmal über den Chef oder uns selber – zu Bette gehen, und bei Sonnenaufgang alles wieder milder aussieht, so war dies die Wirkung des seelischen Stuhlgangs. In der Zwischenzeit hat sich nämlich an der Sache nichts geändert, nichts ist seither geschehen, ausser dass wir darüber geschlafen haben. Und jetzt ist der Ärger wie «vergessen». Er war offensichtlich unfruchtbar, also Müll, und fand den Ausgang. Je nach Schwere des Ereignisses kann der Stuhlgang mehr Zeit beanspruchen, aber irgendwann sollten im natürlichen Fall die «Schrottaspekte» der Gefühle wegverdaut sein.

   … und noch eine weitere, fundamentale Gemeinsamkeit

Beide Formen der Verdauung können nur dann stattfinden, wenn wir nichts anderes tun, nämlich in der Ruhe. Im «Dolce Farniente» gewissermassen.

Die Gazelle verdaut nicht, wenn sie vom Löwen gehetzt um ihr Überleben rennt, sondern erst wieder, wenn sie sich in Sicherheit befindet. Ebenso sind wir nicht am seelisch Verdauen, wenn wir durchs Leben hetzen und Trauer verdrängen, sondern erst wenn wir uns Zeit nehmen, meditieren, oder uns in… Hypnose begeben. Dann erst kann das Unbewusste seiner Verdauung nachgehen und die Selektion der wirklich wichtigen von den unwichtigen Dingen des Lebens vornehmen.

Bei allem Staunen über die Parallelen dürfen wir auch nicht die Unterschiede übersehen. Diese beruhen in erster Linie darauf, dass die körperliche Verdauung in der materiellen Welt – im vertrauten System von Physik und Chemie, also mit Materie und Energie – stattfindet, während die seelische Verdauung im viel geheimnisvolleren Bereich der Informationsverarbeitung wirkt. Beide Systeme folgen ganz unterschiedlichen Gesetzen.

Im Überblick: die Parallelen 


Hier vorerst die Nebeneinanderstellung der beiden Verdauungen, aber noch ohne den Bezug zur Hypnose und zur Therapie. Und vorerst auch mit eher positiven Beispielen. Hoffentlich lassen Sie sich schon dadurch etwas inspirieren. Die Überlegungen zu den therapeutischen Implikationen, insbesondere in der Hypnosetherapie, folgen im nächsten Text.

  







                                                                                        «shit happens»

(Entschuldigung, ich konnte nicht widerstehen: 

Unsere Hündin, als sie ganz klein war… so süss… Premiere im Schnee…)

 

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